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Warum Röhre?
Als erstes möchten wir klären was ein Gitarrenverstärker ist. Wenn man ganz klassisch vorgeht und Kenntnisse in High-End-HiFi Technik hat, geht man davon aus das ein Verstärker:
  • So neutral wie möhlich arbeiten soll
  • So wenig wie es geht verzerren soll
  • Am besten überdimensioniert sein soll
  • So schnell wie möglich sein soll
Alles gut gemeint sagt der HiFi-Entwickler und Audiophile. Wenn man aber so einen Verstärker baut, an eine Gitarrenbox anschliesst und versucht damit ein wenig zu spielen, stellt man sehr schnell fest, dass das nicht das Wahre ist, schlimmer, es klingt grausam und die Bandkollegen halten sich die Ohren zu.

Ja, und nun? Eigentlich alles berücksichtigt und gut gemacht. Schlechte Box? Pustekuchen!

Was für HiFi gilt, funktioniert nicht bei Musikern. Während man bei HiFi-Technik versucht so gut wie es geht den Originalklang zu reproduzieren, geht es bei Musiktechnik darum den Klang zu formen, verbiegen und zu gestalten.

Fazit: Selbst der beste High-End Hersteller macht genau das Gegenteil von dem was Musiker haben wollen. Wir kennen Hersteller die super Studiomonitore und PA-Geräte bauen, aber nicht in der Lage sind einen vernünftigen Gitarrenverstärker zu bauen.

Da man in den 50er Jahren noch keine vernünftigen (und bezahlbaren) Halbleiter hatte, haben dutzende Hersteller angefangen Gitarrenverstärker mit Röhrentechnik zu bauen. Auch die Lautsprecher waren aus heutiger Sicht nicht die besten, heute würde man sagen das es eher Mittelton-Lautsprecher waren. Die Röhre war Gang und Gebe, und die Bauweise eher simpel und einfach: Ein paar Bauteile um die Röhre rum, Spannungsversorgung, Ausgangsübertrager - fertig ist der Verstärker. Als Nebenwirkung erzeugten die Geräte eigenartige Verzerrungen und Klangverfärbungen was unter anderem auf die Baueigenschaften der Röhren zurückzuführen ist.

Aufgrund des heutigen Vintage-Hypes (dazu später mehr) gehen viele davon aus, dass es sich hierbei um eine gewollte Eigenschaft handelt. Wir denken jedoch, dass es teils ein unkalkulierter Nebeneffekt und teils ein schlichter Kompromiss zwischen Preis und Leistung war.

Röhrenklang und Halbleiterklang
Da die Röhre ein unlineares Verhalten hat - was auf die physikalische Bauweise zurück zu führen ist - ist sie zwar kein Bauelement für neutralen Klang, aber die Röhre macht genau das was man als angenehmen Klang bezeichnet. Warum?

Die Antwort ist nicht so einfach. Bei der Wahrnehmung durch das menschliche Gehör sind Klangformanten (Harmoniken, usw. alles was man als Klangfarbe bezeichnet) genauso wichtig wie der Grundton selbst, wenn nicht wichtiger. Es ist bekannt, dass die Röhre unter anderem die zweite Harmonik (deren Intervall genau einer Oktave entspricht) produziert, und genau das empfindet man als angenehmer als die dritte Harmonik, die von Halbleitern erzeugt wird. Auch die Unlinearität spielt eine sehr wichtige Rolle:

  • Die Röhre fängt nicht sofort an zu verzerren. Erst verhält sie sich linear, dann komprimiert sie das Signal ein wenig - und zwar nur die Signalspitzen und erst dann geht sie langsam in die Verzerrung. Sie produziert aber bei weitem nicht so viele Obertöne wie ein Halbleiter.
  • Im Idealfall soll das Verstärkerbauteil (egal ob Halbleiter oder Röhre) den ganzen Frequenzgang gleich behandeln, verstärken (z.b. 100Hz und 10kHz werden auch gleich verstärkt). In der Praxis aber kann man sehen das je höher die Frequenz ist, desto kleiner ist die Verstärkung bei der Röhre.
Rein technisch gesehen sind das sehr schlechte Eigenschaften, sagt der Audiophile. Der Gitarrist fängt mit so einer Schaltung ein wenig an zu spielen und will nichts anderes haben.

Der Techniker spricht von Nichtlinearität, ein Musiker von dynamischem Verhalten: Beide meinen das Gleiche. Wir möchten aber nicht missverstanden werden - eine Röhre in der Schaltung bedeutet nicht, dass es sofort gut klingt, und umgekehrt - wir habe schon Geräte auf Halbleiterbasis in den Händen gehabt, bei denen der Klang durchaus sehr akzeptabel war. Entscheidend ist immer noch der Entwickler sowie der eigene Geschmack, welcher ja bekanntlich sehr unterschiedlich ist. Wir möchten auch niemandem unsere Meinung aufzwingen, eher lieber zur einer gesunden Diskussion einladen und zu ein paar Gedanken anregen.

Am Ende der 70er Jahre und in den 80ern haben viele Hersteller die Produktion auf Halbleiterbasis umgestellt. Man kann sich schon denken, dass es eine Entscheidung von Nicht-Musikern war. Ein Geschäftsmann möchte so viele Geräte wie möglich verkaufen und das geht nur mit Preissenkungen. Klar das, rein technisch und preislich, ein auf Halbleitertechnik basierender Verstärker Vorteile hat: Er ist günstiger in der Produktion, leichter, kompakter, servicefreundlicher, betriebssicherer usw. Nur die Physik kann man nicht umgehen, man kann nur versuchen die Ergebnisse anzugleichen. Der eine oder andere wird uns jetzt bestimmt widersprechen: Man kann doch dieses Röhrenverhalten mit Halbleitertechnik nachempfinden, nachemulieren (wir sprechen an dieser Stelle nicht von digitalen Emulatoren).

Die Antwort ist lakonisch und einfach - Jein!

Man kann natürlich versuchen, das was die Röhre von Grund auf macht, mit extra Schaltkreisen zu simulieren, aber... wenn man sich den Schaltplan von einem Röhrenverstärker anschaut, stellt man fest, dass der Signalweg extrem kurz ist. Das bedeutet, dass die Schaltung extrem schnell ist: Der Ton ist praktisch sofort am Lautsprecher. Wenn man die Schaltung, warum auch immer, grösser und grösser macht verläuft das Signal über mehrere Stufen und das Ganze wird langsamer. Schlimmer noch, das Signal verliert an Direktheit und Dynamik weil jedes aktive Element (ob nun Röhre, Transistoroder IC) die für uns so wichtigen Formanten beeinflusst. Wenn man aber von vornherein mit einer Röhre das Signal formt und die Halbleiter nur dazu dienen, das Signal unverfälscht zu verstärkten, sieht die Sache anderes aus, es sei denn man steht auf britische Einstellung (es klingt erst gut, wenn alles voll aufgedreht ist).

Das haben auch die Hersteller erkannt und bauten so genannte Hybrid Verstärkern - man warb damit das eine echte Röhre in der Vorstufe sei, aber bei vielen Schaltungen sieht man, dass die Entwickler sehr wenig von der Materie verstehen. Es reicht eben nicht mal 'ne Röhre irgendwo in den Signalweg zu schalten und einen super Sound zu erwarten: Die Röhre gehört in die erste Stufe, Tonabnehmer-Gitarrenkabel-Röhre, und nicht irgendwo nach zwei, drei IC's (in einem IC verbergen sich mehrere 100 Transistoren)! Dann ist es schon zu spät. Ist ja auch kein Wunder, dass solche Geräte sich auf dem Markt als absolute Einsteiger-Verstärker etabliert haben. Schade eigentlich, man hätte es viel besser machen können...

Vintage - Gut abgehangen?
Man kann natürlich auch in die andere Richtung übertreiben: Stichwort Vintage-Hype.

Wir können uns gut an Nachfragen erinnern: Ich habe einen Verstärker, man sagt, dass er eine Legende ist, aber wenn ich so richtig Gas gebe, so dass die Endstufe zerrt, haben die Klangregler kaum Einfluss mehr, ich dreh am Mittenregler und es passiert fast nichts, könnt ihr mir helfen? Und wir mussten immer wieder enttäuschen: Nein, können wir nicht. Es liegt in der Natur der Endstufenverzerrung - wenn man mit dem Tonregler ein vernünftiges Resultat erreichen will, soll man nach der Zerrstufe EQ einsetzen und das geht eben bei einer Endstufenverzerrung nicht. Wir möchten nicht missverstanden werden: Wenn man auf den Klang steht, liegt man goldrichtig mit so einem Verstärker. Aber nur, wenn man genau das auch haben möchte, denn ein solcher Verstärker kann nur einen Klang produzieren. Und übrigens, man geht davon aus, dass das auch nur ein Nebeneffekt war.

Man liest auch oft Spekulationen darüber, welche Bauteile am besten klingen etwa wie: Kohlenpress-Widerstände klingen offener und luftiger als moderne Metaloxyd-Widerstände. Dem Endkunden gegenüber finden wir das unfair und falsch. Ohne das Grundwissen zu vermitteln klingt, so ein Satz wie etwa: Benzinmotoren sind besser als Dieselmotoren. Wenn man einen alten Verstärker restauriert und sich als Ziel Originalzustand, -bauweise und -klang gesetzt hat, dann stimmt es wohl, dass man am besten Originalbauteile verwenden sollte. Das soll aber nicht bedeuten, dass etwas besser oder schlechter klingt, es klingt eben anders und entscheidend ist immer noch der persönliche Geschmack und die Ohren. Wir haben schon Kunden erlebt, die mit Panik in den Augen fragten ob wir originale Kohlenpress-Widerstände verwenden, ohne zu wissen was das überhaupt ist: Ich hab gelesen, dass das die ultimativen Vintage Bauteile sind. Auch dieser künstliche Hype um NOS Ersatzteile ist erschreckend. Soll ein Bauteil 40-50 Jahre in einem Lager liegen und jetzt so funktionieren wie damals? Kann man ein Auto ein paar Jahre ungefahren herumstehen lassen und dann einfach den Motor anmachen und losfahren? Es sind auch Bauteile drin, die altern ohne gearbeitet zu haben. Auch die Anzahl der am Markt vorhandenen NOS-Teile lässt wundern.

Ein besonderes Thema: Digital Amp Modeling
Die Kinderkrankheiten haben fast alle Hersteller in den Griff bekommen und mittlerweile funktionieren die Geräte recht gut. Allerdings wenn man sich vorstellt wie sie funktionieren, wird auch sehr schnell klar wo der Haken ist. Das Signal vom Tonabnehmer wird erstmal in digitale Form gewandelt (Analog-Digital Wandler), dann kommt das eigentliche Herzstück - der Digital Sound Processor (DSP) und schliesslich wird das umgerechnete Signal in Digitalform wieder in analog gewandelt (Digital-Analog Wandler). Selbst bei einem perfekt geschriebenen Modelling Algorithmus (für den DSP) und super klingendem Ergebniss gibt es immer noch ein grosses Problem: erst AD Wandler, DSP, DA Wandler und dann erst in den Verstärker (Mischpult, was auch immer) - da ergibt sich ein sehr langer Signalweg und der DSP muss ja auch viel rechnen, was wiederum Zeit kostet. Man spricht von Latenz, was sich auf das dynamische Verhalten sehr negativ auswirkt. Wenn man nicht selber spielt klingt alles sehr nett, bei einem Selbstversuch stellt sich heraus, dass es sich doch sehr plastisch anfühlt. Man ist von den Effekten (Tape Echo, Chorus usw.) viel mehr angetan als vom eigentlichen Amp Modeling.

Unserer Meinung nach, um möglichst flexibel zu bleiben, sollte die Klanggestaltung komplett in der Vorstufe stattfinden und die Endstufe sollte nur linear verstärken und das Signal ein wenig andicken (was eine gute Röhrenschaltung ohnehin macht). Das ist unsere Philosophie. Ich gebe zu das die Idee keineswegs neu ist und, leider, lange Zeit nicht umgesetzt wurde. In den späten 60ern und Anfang der 70er hat ein englischer Hersteller Gitarrenverstärker mit ultralinearem Ausgangsübertrager gebaut - die waren höllisch laut und kaum in die Verzerrung zu bringen, dann war er vom Markt verschwunden. In den späten 80ern fingen zwei deutsche Hersteller mit der gleichen Idee an, mit grossem Erfolg. Dies ermutigte uns eine komplett eigene Vorstufe mit 3 unterschiedlichen Kanälen zu entwickeln.

About: GP-1
Der Signalweg ist bis auf die Speaker-Emulation und den Ausgangspuffer komplett auf Röhrenbasis und so kurz wie es geht gehalten. Auch die Tonregler-Fraktion ist klassisch passiv ausgelegt um den Klang nicht zu verschlimmbessern. Jeder der meint, dass das nicht ausreichend ist, kann selbstverständlich einen hochwertigen Equalizer anschliessen und damit genaue Eingriffe mit chirurgischer Präzision vorzunehmen - dies war nicht unser Ziel. Auf Halbleiter haben wir auch nicht verzichtet, nur dort wo das Signal komplett fertig ist und nur ein wenig linear Verstärkt werden soll: im Speaker-Emulator und Ausgangspuffer. Übrigens, im SE (Speaker Emulator) haben wir versucht auf die Wünsche vieler verschiedener Gitarristen einzugehen. Man kennt es: eine 2x12er offene Box klingt hervorragend mit unverzerrtem Ton, eine 4x12er in geschlossener Bauweise dagegen drückt und schiebt am besten mit maximaler Verzerrung. Auch die Position des Mikrofons vor einer imaginären Box ist wichtig und da man auf beides nicht verzichten möchte wurden zwei entsprechende Schalter in den SE eingebaut.

Die Frage ob der GP-1 gut klingt ist eigentlich überflüssig, denn besser wäre zu fragen: Fühlt er sich gut an? Und die Antwort lautet definitiv: Ja.

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